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Digitalisierung 2.0 – Produktivität

Digitalisierung und Produktivität

Wie wirkt sich die digitale Transformation auf unser zukünftiges Arbeitsleben aus?

Digitalisierung und Produktivität

In der folgenden kleinen Blogreihe werden mögliche Szenarien skizziert, in denen mögliche Veränderungen und künftige Rahmenbedingungen für die Digitalisierung innerhalb der nächsten 10 Jahre, also bis 2030, illustriert werden sollen. 

Das Szenario beschreibt die Digitalisierung als treibende Kraft, mit der sowohl Produktivität als auch die Wettbewerbsfähigkeit optimiert werden. Nicht nur Druck von außen, sondern auch die eigens angestrebte Optimierung der eigenen Leistung bestimmen den Alltag der Arbeitswelt. Zusehends mehr Teilbereiche von Unternehmen führen eine direkte Konkurrenz zwischen Menschen und Maschinen; Am Ende zählt die Leistung und nicht die Antwort auf die Frage, wer sie erbracht hat.

Produktivitätsboost

Dass die Digitalisierung enorme Wachstumspotenziale für die gesamte Wirtschaft bietet ist schon lange kein Geheimnis mehr. Die Aussicht auf Produktivitätssprünge, steigende Umsätze und neue Geschäftsmodelle treibt die Kurse an den Aktienmärkten nach oben. Billiges Geld ist zur Genüge vorhanden. Aber nur, wer und wenn man rechtzeitig dabei ist, hat die Chance auf ein dickes Stück vom Kuchen. Um nicht nur die Rücklichter des digitalen Wandels zu sehen, sind offensive und mutige Unternehmensstrategien gefragt.

Auch die Politik handelt: zu den Kernprojekten für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen gehören der Ausbau des digitalen Binnenmarkts in der EU sowie der flächendeckende Breitbandversorgung. Es tut sich was.

Corona als Booster

Die erste Hälfte von 2020 hat Spuren hinterlassen: viele Berufsgruppen wurden auf den offenen Arbeitsmarkt geschickt aufgrund von Kurzarbeit oder Entlassungen. Headhunter und von der Krise verschont gebliebene Firmen sehen ihre Chance: um die besten Köpfe für sich zu gewinnen, werden für gesuchte Fachkräfte nun häufig feste, arbeitszeitbezogene Vergütungen mit leistungsbezogenen Bonus- und Prämiensystemen verknüpft. Dabei werden v.a. drei Sachen vorausgesetzt: Leistungsbereitschaft, Mobilität und Flexibilität, was aber auch entsprechend honoriert wird. Die daraus resultierenden kräftigen Produktivitätssteigerungen ermöglichen Unternehmenswachstum und die Sicherung der Arbeitsstellen für Mitarbeiter.

Jedoch klagen nicht nur die Gewerkschaften, dass der Digitalisierungsgewinn nicht allen Branchen gleichermaßen zu Gute kommt: beispielsweise wächst der Niedriglohnsektor für Dienstleistungen lediglich mäßig bzw. verzeichnet keine Produktivitätssteigerung. Es wird befürchtet, dass im Zuge von Automatisierung und Digitalisierung ganze Berufsgruppen geradezu vernichtet werden.

Die räumliche und zeitliche Flexibilität der Arbeit ist in immer mehr Bereichen möglich und lässt Mitarbeiter von attraktiven Vorteilen des digital Workplace profitieren: hierbei werden die eigene Wohnung, das Auto oder auch Cafés, Parkbänke sowie Bahnhöfe und Züge zunehmend zu produktiven Arbeitsorten. Moderne Software wie Microsoft 365 machen die wachsende Komplexität der Produktionsabläufe für das Management und Belegschaft jederzeit zugänglich, sodass Mitarbeiter überall vernetzt, individuell gebrieft und unterstützt werden.

Dank Microsoft 365 bzw. Microsoft Dynamics 365 stehen Ihnen alle produktionsrelevanten Vorgänge sowie umfangreiche personenbezogene Daten der Beschäftigten zur Verfügung. Da jedoch die typischen Kennzahlen klar quantifizierbar sein müssen, bleibt es nicht aus, dass Faktoren wie Arbeitsklima, psychologische Belastungen oder das persönliche Wohlbefinden in diesem Zusammenhang an Aufmerksamkeit verlieren:

2030: Professioneller Boost, menschlicher Loose

Szenario: Mensch vs. Maschine

So ist es durchaus denkbar, dass Anfang der 2030er Jahre technische Systeme zu maßgeblichen Akteuren der Arbeitswelt geworden sein werden und eigenständige Entscheidungen treffen sowie Menschen steuern können. Möglich erscheinen in diesem Kontext auch Management-Bots, die Projektteams auf- bzw. zusammenstellen; sie veranlassen die Ausschreibung von benötigten Gütern und Dienstleistungen auf digitalen Marktplätzen, auf welche Maschinen und Menschen sich aktiv um Aufträge bewerben können.  

Erschreckend, oder? Man muss sich erst daran gewöhnen – Bots als Auftraggeber, Vorgesetzte und als „Kollegen“ zu haben. Es entsteht Raum für sehr viele Fragen:

  • Wie klärt man einen Konflikt mit einem Algorithmus oder einem Co-Bot?
  • Wie geht man mit Vorgaben um, die einem ungerechtfertigt erscheinen oder den eigenen Gestaltungsspielraum eingrenzen?

Doch viele erleben den heutigen, 2020-gegenwärtigen, Wandel als eine kontinuierliche Verdichtung und Beschleunigung des Arbeitsalltags. Dennoch gilt es, die Anpassungen an neue Aufgabenfelder und Arbeitsabläufe in immer kürzeren Zeiträumen zu bewältigen. Erfolgreich zu sein bedeutet hier: hohe Geschwindigkeit und geringe Fehlerquote.

Daraus schließt sich, dass im Jahr 2030 ist ein Großteil der Erwerbstätigen de facto Eigenunternehmer sein werden, die ihre Leistungen auf den digitalen Marktplätzen anbieten und von Service Avatare mit individuell zugeschnittenen Strategien hinsichtlich der Mitarbeiterauswahl unterstützt werden. Beschäftigungsverhältnisse können über zwei Jahre, über einen Monat oder auch für lediglich einen Einzelauftrag geschlossen werden.

Es wird nicht an der Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft mangeln; man muss sich nur auf dem Markt positionieren, für potenzielle Auftraggeber sichtbar sein und einen bestechend guten Score haben. Kleinere Aufträge werden oft umsonst übernommen – als „Kontaktpflege“ und um im Spiel zu bleiben. In manchen Tätigkeitsfeldern muss man mit den Preisen von Anbietern aus aller Welt konkurrieren, andere sind nach wie vor stark ortsgebunden.

So wird auch der Wettbewerb zwischen Menschen und Maschine immer stärker aufgeheizt und nimmt konsequent in vielen Bereichen zu.

Auch finanziell ergeben sich Konflikte: betrachtet man den Wert einer Arbeitsstunde eines Service-Dienstleisters, liegt man aktuell und qualifikationsabhängig, zwischen 60 und 400 Euro.  Doch die Stunde eines Analyse- oder Industrie-Bots der neuen Generation schlägt nur mit etwa 20 Euro, wobei diese 24/7 einsetzbar sind.  Die hohe Fluktuation und die Verteilung der Beschäftigten über Einsatzorte und Zeitzonen hinweg, er-schwert eine gemeinsame Wahrnehmung von Interessen, ebenso wie die Aushandlung allgemeingültiger Arbeitsstandards und Tarife.

„Wir haben 200 Jahre lang den Menschen beigebracht, wie Maschinen zu arbeiten. Und nun wundern wir uns, dass Maschinen es besser können.“ (C.  Boos, Digitalrat)