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Digitalisierung 2.0

Neue Blogreihe zum Thema Digitalisierung 2.0

Es gibt einfach kein Entrinnen: sie ist überall, sie ist schneller als je zu vor und jeder wird früher oder später von ihr übermannt: die Rede ist von der Digitalisierung. Nicht nur zu Hause, doch auch in der Arbeitswelt ist sie in vollem Gange. Sie gleicht beinah schon einer Naturkatstrophe: anfänglich zaghaft in kleinen Wellen wurden einzelne Unternehmen von ihr mitgerissen, dann wurde sie immer größer und besonders in den letzten Monaten, die durch Corona und die Auswirkungen gekennzeichnet sind, wurde die Mehrheit der Unternehmen regelrecht von ihr – positiv – überwältigt.

Doch wie sich die Arbeitsbeziehungen und -abläufe im Zuge dieser digitalen Transformation verändert haben und künftig werden, hängt maßgeblich davon ab, wie und mit welchen Zielsetzungen moderne  Technologien genutzt werden, in welchem gesellschaftlichen Kontext sie sich entfalten und welche Interessen die Beschäftigten aufweisen. Die Fragen scheinen sich zu überschlagen:

  • Wie können die Möglichkeiten des zeit- und ortsflexiblen Arbeitens auch für die Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen echten Mehrwert bringen?
  • Welche Daten werden erhoben und wie werden sie verwendet?
  • Welche Anforderungen ergeben sich für die Aus- und Weiterbildung?
  • Wie kann man sicherstellen, dass Algorithmen und Plattformökonomie nicht zu einer Enthumanisierung der Arbeit und einer Zunahme von prekären Beschäftigungsverhältnissen beitragen?
  • Wie kann der Strukturwandel – insbesondere da, wo Arbeitsplätze im Zuge von Digitalisierung und Automatisierung verschwinden – sozial gestaltet werden?
  • etc.

Hier sind nur einige der Schauplätze dargestellt und es gilt, unterschiedliche Interessen abzuwägen und faire Spielregeln auszuhandeln. Und sicher werden sich auch die Strukturen und Instrumente der Mitbestimmung selbst durch die Digitalisierung verändern. Auch wenn die Digitalisierung bereits auf Hochtouren läuft – wie weit kann sie gehen? Wo liegt das Ende der Möglichkeiten? Wann wird die letzte analoge Entität modernisiert und digitalisiert?

In der folgenden kleinen Blogreihe werden mögliche Szenarien skizziert, in denen mögliche Veränderungen und künftige Rahmenbedingungen für die Digitalisierung innerhalb der nächsten 10 Jahre, also bis 2030, illustriert werden sollen.  Dabei wird jeweils eine bestimmte Charakteristik fokussiert und in diesem Zusammenhang werden nicht nur verschiedene Möglichkeiten aufgewiesen, sondern auch Herausforderungen miteinbezogen. Anhand dieser stellen wir einen was-wäre-wenn-Rahmen zusammen, der als Orientierung für die Bewertung aktueller Entwicklungen sowie bestehender Handlungsstrategien dienen kann.

Digitalisierung 2.0

„Szenarien sind Geschichten über die Zukunft, aber ihr Zweck liegt darin, bessere Entscheidungen in der Gegenwart zu treffen.“ (G. Davis)

Ged Davis hat erkannt, dass Szenarien die Zukunft nicht voraussagen können, uns aber durchaus helfen, besser mit den Unsicherheiten einer offenen Zukunft umzugehen. Wir werden sicherer in der Ein-schätzung, wie sich die Entscheidungen von heute auf die Arbeit und das Leben von morgen auswirken.

1.    Produktivität

Das erste Szenario beschreibt die Digitalisierung las treibende Kraft, mit der sowohl Produktivität als auch die Wettbewerbsfähigkeit optimiert werden. Nicht nur Druck von außen, sondern auch die eigens angestrebte Optimierung der eigenen Leistung bestimmen den Alltag der Arbeitswelt. Chancen und Risiken stehen dabei einander direktgegenüber, sodass der Stil der Unternehmensleitung am Markt orientiert ist. Zusehends mehr Teilbereiche von Unternehmen führen eine direkte Konkurrenz zwischen Menschen und Maschinen; Am Ende zählt die Leistung und nicht die Antwort auf die Frage, wer sie erbracht hat.

2.    Individualität

In der zweiten Aussicht, inwiefern sich die Digitalisierung bis ins Jahr 2030 weiterentwickelt hat, fokussiert hierbei aber ganz klar die Individuen in der Arbeitswelt: persönliche, eigene Gestaltungsspielräume, noch mehr Flexibilität und Diversität. In diesem Szenario stellen staatliche Normen die Mitwirkung sicher, sodass eine gerechte und gleichmäßige Verteilung der Früchte der Modernisierung bzw. Digitalisierung erfolgt; gleichzeitig wird einem Machtmissbrauch entgegengewirkt. Aufgrund des Fachkräftemangels ist das Image auch auf Seiten der Unternehmensführung ein entscheidender Erfolgsfaktor.

3.    Kollektivität

Im dritten Fall wird die Digitalisierung als komplett in kollektive Aushandlungsprozesse und demokratische Unternehmensstrukturen integriert betrachtet. Technologische Wandel und effiziente Produktionsweisen sind gleichwertig wie die menschliche Arbeitskraft; auf diese Weise wird den Mitarbeitern eine Sicherheit geboten, dass ihr Arbeitsplatz einerseits erhalten bleibt und andererseits modernisiert wird.  Als Resultat verzeichnet sich die Summe aus guten Arbeitsbedingungen und persönlichen Vorlieben.

4.    Neustart

Im letzten Beispiel soll auf die Digitalisierung zusammen mit der Automatisierung eingegangen werden und wie diese Kombination Arbeitsplätze ersetzt. Letztendlich würde es in diesem Szenario zu einer Ausbreitung prekärer und wortwörtlich vollkommen unmenschlicher Arbeitsbedingungen kommen, sodass nur noch ein Neustart helfen kann.